Dr.-Ing. Philip Groesdonk, Geschäftsführer heatbrAIn GmbH
Viele erneuerbare Wärmequellen haben ein zeitlich schwankendes Angebotsprofil in Potenzial oder Preis. Bei der Planung werden daher auch für die Wärmesenken zunehmend Lastprofile herangezogen. Diese bestimmen maßgeblich die Dimensionierung, Versorgungssicherheit sowie Wirtschaftlichkeit von Erzeugern, Speichern und Netzen. Heute erfolgt die Abbildung thermischer Lastverläufe häufig noch über vereinfachende Standardlastprofile (SLP). Diese Profile erfassen aufgrund ihrer Herkunft aus der Gasversorgung Wechselwirkungen zwischen Gebäudephysik, Nutzungsverhalten und Erzeugungssystem nur unzureichend, was das Risiko systematischer Unsicherheiten oder sogar Fehldimensionierungen birgt.
Die individuelle Simulation gebäudescharfer Lastprofile kann hingegen spezifische Gebäudephysik- und Nutzungsparameter berücksichtigen. Der Vortrag beschreibt, wie mithilfe einer Kombination öffentlicher Geo- und lokaler Energiedaten sowie KI-Unterstützung simulierbare Modelle einzelner Gebäude erstellt werden können. Anhand eines realen Projektgebiets wird gezeigt, wie die Lastprofile durch strukturelle Änderungen im Gebäudebestand variieren, welchen Einfluss der Einsatz von Lastprofilen als dynamische beeinflussbare statt als statische Planungsgröße auf die Dimensionierung von Netz und Erzeugerstruktur hat, und wie dies sich wiederum auf die Wirtschaftlichkeit eines kalten Nahwärmenetzes auswirkt.
Der Vortrag basiert auf einem Beitrag zur 4. Konferenz der Norddeutschen Wärmeforschung.