Dr.-Ing. Bernd Petraus, Founder und CTO der Digital Building Industries AG (DBI AG)
„Wärmenetz oder dezentral? Lassen sich Abwärmequellen einbinden?"
Solche Fragen entscheidet ein Gemeinderat heute unter hoher Komplexität: Wärmepumpen, PV, Speicher und volatile Preise greifen ineinander. Und jede Wärmewende ist zugleich eine Stromwende: thermische Leistung wird zu Anschlussleistung, der Netzanschluss zum kritischen Pfad. Solche Entscheidungen sind dynamisch, teuer und besser heute als morgen getroffen. Dafür braucht es schlanke Prozesse statt langer Iterationsläufe, an deren Ende ein PDF im Regal landet, das bereits am Erscheinungstag veraltet ist.
„Das macht die KI". Gemeint ist meist ein Sprachmodell wie ChatGPT. Es verspricht viel, löst das Problem aber nicht: Es liefert plausibel klingende, aber nicht nachvollziehbare und nicht nachweisbar genaue Antworten. Eine Blackbox, die sich vor Gremium oder Auftraggeber nicht verantworten lässt und kein Vertrauen schafft. KI hilft dennoch, an der richtigen Stelle und ergänzt um besser geeignete Methoden: Machine Learning prognostiziert Bedarfe und schließt Datenlücken; die Systemauslegung gehört in die Hand exakter Optimierungsverfahren. Transparent, überprüfbar und nachweisbar belastbar statt nur plausibel geschätzt. An einem Quartiersbeispiel zeigen wir, wie sich Varianten im Gremium transparent vergleichen lassen und wo die Methode an Grenzen stößt. So wird aus dem Planungsstau ein lebendiges Energiemodell und am Ende eine robuste, nachvollziehbare Entscheidung, die alle verstehen und mittragen.